Christian Methfessel

Chemiker, Musiker, Komponist, Slammer, Tänzer, Webdesigner und Mensch

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Dein Leben

Du hast dein Leben in deiner Hand

halt es behutsam, dass du’s nicht zerdrückst

halt es behutsam, lass es nicht zurück

lass es nicht fallen, lass es nicht alleine,

halt es behutsam, du hast nur das eine

halt es behutsam, ganz bis zum Ende;

Du hast dein Leben in deinen Händen.

 

– Schnitt  –

 

Vor ein paar Tagen, es war kurz nach vier

Uhr nachts, da ist dir echt was Krasses passiert!

Du weißt noch genau, wie – also eigentlich weißt du’s nicht;

du wolltest nach Haus, die Kneipe war dicht

… und du auch.

Denn du hast mal wieder fett Party gemacht

wie man es Samstags-Nachts halt so macht.

Dir dreht sich alles, und dir ist sofort klar:

Scheiße noch ma, liegt alles am Vodka.

 

Du reißt dich zusammen, versuchst bei dir zu bleiben,

taumelst nach vorne, bleibst kaum auf den Beinen,

Da! Die rettende Insel in deiner Not:

…es ist ne Parkbank, du Vollidiot.

 

Scheißegal, hörst du dich noch lallen,

mit letzter Kraft lässt du dich drauf fallen.

und wie du dich vorsichtig dort arretierst

setzt sich auf einmal dein Leben zu dir.

 

Höhö, echt krasser Scheiß, ich glaub mich tritt meine Oma,

träum ich das oder bin ich schon in Koma,

das sieht ja echt mal zum Kotzen aus.

 

Gesagt getan, du kotzt dich aus

und dein Leben sitzt daneben und guckt dich an.

 

– Schnitt  –

 

Du hast dein Leben an deiner Hand.

lebhaft, lebendig, will alles entdecken,

hüpft um dich rum, guckt in alle Ecken

und sieht. und staunt. und lächelt dabei,

und fliegt und ist laut und ist völlig frei…

Vorsicht! Es stolpert, lauf hin, fang es… an

du hast dein Leben in deiner Hand.

 

– Schnitt –

 

Du sitzt in der U-Bahn – wahrscheinlich nach Haus.

Holst dir erst mal ne Kippe raus,

Bierchen gezischt, du bist gut dabei

hast zwei Hände voll, und keine mehr frei

und amüsierst dich gerade königlich,

wie der Typ da hinten mit seinem Gesicht

so stolpert und fett den Boden knutscht.

Naja, selbst Schuld, ich find das voll gut.

Da war doch was mit Übermut

und Fallen und so, … hey, ist das Blut?

Naja, egal, geht mich nichts an.

 

– Schnitt –

 

Du hast dein Leben an deiner Hand?

 

– Schnitt –

 

Du wachst morgens auf, du bist voll verkatert.

Die Sachen zerknittert und stinken und grad hat

dein Magen mal wieder den Kampf gewonnen.

Du schleppst dich vom Bad ins Bett

und bist ganz benommen,

denn du hast gerade unüberlegterweise

nen Blick in den Spiegel geworfen – Ach du Scheiße.

Heut machst du gar nichts mehr, du drehst dich zur Wand.

 

– Schnitt –

 

Du hast dein Leben … ?

 

– Schnitt –

 

Du bleibst nüchtern, von heute an!

Du hast du dir Abstinenz geschworen,

und mit nem Schnaps drauf angestoßen

wie’s bei dir halt immer läuft:

die eine Hand schwört und die andre Hand säuft.

Und dazwischen?

dazwischen… gibt’s irgendeine Kleinigkeit

die irgendwie… schon die ganze Zeit

… fehlt.

 

– Schnitt –

 

Und da siehst du es vor dir liegen:

Es liegt da am Boden und kann nicht mehr fliegen,

es ist völlig zerzaust, zermürbt und zerschunden,

über und über mit achtlosen Wunden.

Und ja…  und ja es tut dir Leid,

und du wünscht dir jetzt du könntest die Zeit

zurückdrehn und nochmal von vorne beginnen

die ganzen blöden Fehler verhindern…

und… du weißt nicht mehr weiter,

was hast du nur gemacht?

Wie kam es dazu, und warum hast du nicht Acht

gegeben

… auf dein Leben?

 

– Schnitt –

 

Und du läufst rastlos durch die Straßen.

Sprichst mit keinem; all die Fragen

in deinem Kopf vermischen sich.

Und du verstehst es einfach nicht!

 

Wie ist es nur so weit gekommen?

Wer hat dein Leben von dir genommen?

Was kommt danach? Was steckt dahinter?

Seit wann macht dein Leben keinen Sinn mehr?

Du hältst es nicht aus, denn solche Scheiß-Fragen

versau‘n dir schon seit Tagen die Tage

und du versuchst diesen Wahnsinn zu stoppen mit

einem letzten gut platzierten…

 

– Schnitt –

 

Und du sackst zusammen, fällst auf die Knie.

Nimmst es in die Händen

Fühlst, wie es röchelt, spürst schon sein Ende…

 

und du stehst auf, hebst es behutsam vom Boden,

hältst es ganz zärtlich, wie ein verwundeter Vogel,

und viel zu spät hast du erkannt:

 

Du hast dein Leben in deiner Hand

halt es behutsam, das du’s nicht zerdrückst

halt es behutsam, lass es nicht zurück

lass es nicht fallen, lass es nicht alleine,

halt es behutsam, du hast nur das eine

halt es behutsam, ganz bis zum Ende;

Du hast dein Leben in deinen Händen.

 

(Christian Methfessel, 16.06.2013)

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