Christian Methfessel

Chemiker, Musiker, Komponist, Slammer, Tänzer, Webdesigner und Mensch

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Arnolds & Sons Panflöte "Pro-Line" G 22 Rohre, echt Bambus

Material Bambus
Bindung Gürtel
Rohre 22
Tonumfang e' - e'''' (E4 - E7)
längstes Rohr 30.1 cm
tiefster möglicher Ton d' (D4, 294 Hz)
Originalstimmung G
Stimmqualität fast gut
Empfehlung jain
Preis 249,00
Erster Eindruck / Verarbeitung

Das erste, was auffällt: Die Panflöte ist grün. Wirkt ein bisschen angemodert. Wie Schimmel. Naja, nicht meins. Das soll laut Verkäufer am "echten Bambus" liegen. Ich kenne aber auch Bambuspanflöten, die bambusfarben sind. Wahrscheinlich sind das dann Panflöten aus "unechtem Bambus". Aber egal jetzt.

 

Dann nimmt man die Panflöte in die Hand. Der zweite Eindruck: Scheiße, ist die schwer!

Mit 358 g ist die Panflöte sogar schwerer als vergleichbare Ahornpanflöten (275 g) und deutlich schwerer als normaler Schilf/Bambus (223 g).

 

Und der dritte Eindruck: Wow, ist die großartig verarbeitet. So eine Qualität habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Das kann auch daran liegen, dass sie mit immerhin 249 Euro nicht so ein Wegwerfgerät ist wie andere Einsteigerpanflöten.

Die Rohre sind bombenfest verbunden, nichts wackelt, nichts macht einen minderwertigen Eindruck. Die Abstände zwischen den Rohren sind perfekt (d.h. genau eine Rohrwandbreite) und die einzelnen Rohre fügen sich so perfekt aneinander, wie man es leider viel zu selten bei Bambuspanflöten sieht. Die Schliffe sind auf Anblastechnik der verschiedenen Tonhöhen angepasst und superweich abgeschmirgelt – ein Lippenschmeichler. Die C-Rohre (nach dem Runterstimmen wären es dann H-Rohre) sind zur Orientierung mit einem stylishen kleinen Brandfleck markiert. Und auch von vorne zeigt sich (nach dem ersten Grün-Schock) ein tadellos verarbeitetes, edles Instrument.

 

Stimmung und Stimmbarkeit

Die (wieder mal elektronische) Stimmung ist beinahe tadellos und nach einer kleinen Eingewöhnungszeit (die Panflöten spielen sich schon irgendwie alle unterschiedlich...) passten die Töne perfekt – mit einer Ausnahme. Das zweittiefste Rohr (eigentlich das f#') liegt mit 355 Hz so arg daneben, dass es weh tut (eigentlich 370 Hz). Mich überrascht, dass bei so einem perfekt verarbeiteten Instrument so ein grober Schnitzer passiert ist.

Die Panflöte beginnt bei e', kann aber bei einer Rohrlänge von 30.1 cm bequem bis zum d' runtergestimmt werden. Es geht sogar fast bis zum c#' (aber leider nur fast; man kommt auf 279 Hz und bräuchte 277 Hz). Das macht aber nichts, c# kann man auch problemlos durch Halbtonerniedrigung des d' erreichen. Bei vielen anderen Panflöten scheitert das Runterstimmen daran, dass das zweittiefste Rohr zu kurz ist; hier aber gar kein Problem, mit 27 cm lässt sich bequem ein e' erreichen.

 

Die Korkstopfen sind extrem dünn (ca. 5 mm), woran sich die hohe Qualität der Panflöte erkennen lässt. Diese Stopfen schließen dichter als die viermal so dicken Propfen anderer Panflöten.

Das macht aber das Stimmen etwas herausfordernder; dieser dünne Korkstopfen verdreht sich schnell im Rohr, wenn man mit dem Stimmstab nicht absolut gleichmäßig drückt. Nach ein paar Versuchen ist auch das kein Problem mehr. Wenn ich diese Panflöte mir einmal zum dauerhaften Gebrauch kaufen sollte, dann wird es mein erstes Instrument, was ich ausschließlich mit Wachs stimmen würde. Bei so ner Verarbeitungsqualität geht einfach nichts anderes mehr!

 

Gürtel

Vorne auf dem Gürtel steht "Pansorina", wahrscheinlich der Produktname dieser Arnolds&Sons-Panflöte. Hinten kann man noch das überraschende Qualitätsmerkmal "Made in Korea" entdecken (hey, die Koreaner können ja mehr als nur Elektronik!). Das Holz ist wundervoll und glatt und kontrastiert wunderbar mit dem ekelhaften Grün. Aber auch hier hat man sich unverständlicherweise dazu entschlossen, den Gürtel zu den hohen Tönen hin abfallen zu lassen (Abstand Anblasöffnung–Gürtelobenseite: 4.5 cm bei den tiefen Tönen, 5.0 cm bei den hohen Tönen). Das kann ich wirklich nicht nachvollziehen, dadurch wirkt die Panflöte unausgewogen und schief.

Der Gürtel wurde auch hier mit Heißkleber vollgestopft – wahrscheinlich ist das State-of-the-Art oder so. Die Panflöte würde sicherlich wertiger und filigraner aussehen, wenn man nur sparsam mit etwas Leim gearbeitet hätte. Bei der sonst so tollen Verarbeitungsweise hätte das die Stabilität des Instruments sicherlich auch nicht beeinflusst. Aber gut, sieht man ja im Normalfall nicht.

 

Tonansprache

Endlich mal eine Panflöte, die eine vergleichbar tolle Tonansprache hat wie meine allererste richtige Panflöte. Die Töne sind sofort da, rauschen nicht, sind voll und klar wie bei einer Holzpanflöte und trotzdem exotisch rauchig wie man es sich bei Panflöten wünscht. Auch die hohen Töne (insgesamt eine Schwäche bei allen mir bekannten Panflöten) klingen nicht so schrill und man kann sie mit deutlich weniger Luft ansprechen. Allein die Tongenauigkeit leidet – man braucht wirklich eine superexakte Lippenspannung (Lippenbalsam verwenden!), sonst ist man sofort 1-2 Halbtöne daneben.

 

Zubehör

Es gibt eine sehr wertige (aber irgendwie ziemlich hässliche) Ledertasche dazu, mit kleinem Extra-Fach (keine Ahnung, ob da irgendetwas Sinnvolles reinpassen könnte). Die Tasche könnte einen Tick niedriger sein, die Panflöte wackelt ein bisschen da drin. Aber einem im Preis inbegriffenen Gaul...

 

Fazit

Wenn ich demnächst irgendwann mal wieder eine gute Mittelklassepanflöte brauchen sollte, dann steht diese hier ganz oben auf meiner Liste. Sie ist hervorragend verarbeitet und es macht Freude, sie zu spielen. Wenn man sie in der Hand hat, merkt man sofort die erstklassige Verarbeitung, und wenn man sie spielt merkt man sofort, dass die Leute in Korea Ahnung vom Panflötebauen haben.

 

Es gibt nur vier kleine Abstriche (die aber der Grund dafür sind, warum die Panflöte nicht direkt hier bleibt, sondern ich sie erst mal wieder zurückschicken werde):

1) sie ist grün.

2) der Preis!

3) der unharmonisch-schiefe Gürtel

4) sie ist GRÜN!!!!

 

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